Biografie & Worst Case

Sie wollen Ihre Wohnung umbauen, ein Büro verändern oder nur ein Haus bauen und beauftragen einen (Innen) Architekten.
Der Architekt hört sich ihre Wünsche an und fertigt einen wunderschönen dreidimensionalen Digitalplan an. Obwohl sie zwar eine andere Vorstellung hatten, lassen sie sich von dem gelungenen Entwurf doch überzeugen, sind irgendwie begeistert, vertrauen dem studierten Diplomaten. Noch eine kleine Änderung hier und da und sie sind verpflichtet das Design zu bezahlen und umzusetzen.
Wer baut mir einen runden Glaspalast, woher kriege ich eine geschwungene Edelstahlwendeltreppe?
Endlich, in Hamburg gibt es eine Firma die prima runde dreifach Isoliergläser in Übergrösse für ihre Loggia herstellt. Die müssen nur noch nach St. Gallen gebracht werden.
Jetzt nur noch eine kleine günstige Schlosserei finden und schwupp, die über drei Etagen sich windende nie wieder rostende Wendeltreppe schlängelt sich mit mattierten Verbundglastufen hoch, durch den runden Glaspalast. Sie sind noch begeistert? Nicht mehr lange!
Was?! Sie finden im gesamten Kanton keinen einzigen Betrieb der, nie wieder rostende WendeltreppenschlängeltsichmitmttiertenVerbundglastufenhochdurchdenrundenGlaspalast baut?
Nun wenden sie sich an den Planer, der recherchiert und siehe da, eine Woche später ist klar die Edelstahlbaufirma kommt aus dem Tessin, die mattierten Verbundsicherheitsglasstufen aus Italien.
Ein kleines Problemchen tritt auf:
Sie denken sie haben ihre Finanzen im Griff, die Bank gibt ihnen eine Hypothek, vergessen sie es, das Geld wird nicht ausreichen, schlaflose Nächte beginnen.
Die ursprüngliche Summe für die verglaste Loggia (mit den durchlaufenden gebogenen Glasscheiben und von unten kommenden Storen) kann im folgendem Angebot schon mal durch die Decke gehen: Die für die 6,5 Quadratmeterloggia mit 6,10m Raumhöhe wird von dem Hamburger Betrieb mit 19850.- Euro netto angeboten, zzl. Transport, Steuern und Lieferung. Umgerechnet also runde 30.000 S/Fr. Sie finden keinen Betrieb der die runden Dreifachgläser verantwortungsvoll einbaut - ihr Problem! Während sie seit Monaten ungeduldig auf die Fertigstellung der Loggia warten, kommen die Angebote für ihre moderne Treppe und die mattierten Verbundglastreppenstufen per Mail aus Italien und dem Tessin. Ihr Italienisch ist zwar nicht so gut, sie verstehen die Zahlen unten im Angebot aber auch nicht. Sie fragen nach und sind schockiert.
Pro mattierter Glasstufe will dieser Betrieb aus Italien 2800.- Euro, netto ohne Steuern und Transport? Sie fragen nach, aber nichts zu machen, 3000.- Euro/ brutto inclusive Steuern und Transport sind eh ein Schnäppchen! Sie fragen bei ihrem Architekt nach um Treppenstufen einzusparen, da sie eh einen grossen Treppenstufenabstand wollen, weil sie so jung und fit sind?
Der Architekt lehnt ab, weil das Baugesetz es eben so will, Punkt. Es bleibt bei den 55 Stufen für insgesamt 165.000.- Euro.
Ach ja und die gewundene Edelstahltreppe? Die haut sie völlig aus den Socken. Sie besorgen sich für den nächsten Tag einen Termin bei Ihrer Bank und einem anerkannten Psychiater, da der Edelstahlbetrieb aus dem sonnigen Tessin ihnen den Tag verregnet hat.
Die Glasstufen sind von Ihnen bestellt, Treppe kostet aber 220.000 S/Fr, netto ohne Lieferung.
Der Termin bei dem Psychiater hat ihnen nur noch mehr Kopfzerbrechen bereitet, dafür können sie den Banker davon überzeugen den Kredit von 100.000 auf 400.000 S/Fr. zu erhöhen, weil es sich um den zukünftigen Mont Matre St. Gallens handelt.

Das Runde ins Eckige....
Endlich! Sie haben ein Jahr auf ihren Glaspalast gewartet und sind voller Vorfreude und haben ihren intellektuellen Bekanntenkreis für Übermorgen eingeladen, um mit Ihnen auf das gewagte geniale Design in der Minergie - Glasloggia anzustossen, weil heute endlich mit der Montage der architektonisch gewagten Installation begonnen wird. - Vergessen Sie es und ziehen sie sich besser die Bettdecke über den Kopf und melden sich krank, denn der Anruf mit „Wir haben hier auf der Baustelle ein Problem“, kommt sicher, denn die mattierten Verbundglasstufen passen nicht. Der kreative Architekt sonnt sich gerade vor seinem supereinsamen mit ihrem Geld toll restaurierten Rustiko in St. Moritz und ist nicht erreichbar? Genau so und nicht anders wird es sein.

Zwei Wochen später mitte August ist der kreative Herr wieder in seinem Kreativbüro und hat endlich ein Ohr für sie, nachdem sie seine Mailbox und Mailaccount zum erliegen gebracht haben.

Ich habe alles richtig gemacht, die anderen sind Schuld!

Die Toleranzwerte für Glas & Stahl sind nach Iso/Din Normen geregelt. Ist planerisch nichts angegeben so zählt der grösste Toleranzwert. Temperiertes Verbundsicherheitsglas hat zudem naturgemäss höhere Toleranzwerte. Wenn nun etwa die besprochene Glasstufe nicht in den dafür passenden Stahlrahmen passt, wer ist Schuld? Jedenfalls der Architekt nicht, immer nur die dummen Handwerker, sagt der Architekt und der Handwerker beruft sich auf die Normen.

Aber was nutzt das ihnen jetzt?

Ich habe dieses reale Beispiel angebracht um genau zu verdeutlichen, wie unangenehm es zwischen planerisch erdachten und praktischer Realität zu- und hergeht. Aber nur eins nach dem anderen. Der bemitleidenswerte Bauherr hat noch andere Sorgen ausser den finanziellen:

Der Glasbetrieb aus Italien ist mittlerweile in Konkurs gegangen, weil er sich mit dem Auftrag ihrer Glasstufen übernommen hat. Sie können aber nichts dafür, schliesslich hätten sie ja die vollen Kosten getragen, wenn die Stufen denn gepasst hätten.

Zum Glück konnten sie den Edelstahlbaubetrieb durch Zahlung einer kleinen Summe von 25.000.- CH/Fr davon überzeugen die Treppenrahmen zu überarbeiten.

Der grosse Tag:

Ein Buffet ist arrangiert, die Gäste sind mit speziellen Einladungen auf Butterbrotpapier eingeladen worden. Endlich, trotz des Katheters der ihnen nach dem Din Iso Quatsch anschliessend im Inselspital Bern eingebaut wurde, nun kann ihre Glasloftgallerie endlich eingeweiht werden!

Sie haben Kopfweh aber ein gutes! Der Architekt wurde frenetisch als Popstar gefeiert, sie wurden ihres Avantgarde Geschmacks in den höchsten Tönen gelobt als zukünftiger Designspezialist, vom Publikum erwählt.

Reine Geschmacksache

Ohne Unterhose aber glücklich stehen sie an diesem Morgen aus ihrem Designerbett auf und kochen sich erstmal einen Espresso und nehmen sich ein nein zwei Aspirin. Die werden sie heute auch brauchen! Der Abend hatte es in sich, sie setzen sich stolz auf eine Glasstufe, schlürfen einen Espresso. Sie versuchen aufzustehen, pappen aber an der sehr kalten Glasstufe fest.

Im gleichen Augenblick sehen sie ihre 55 Glasstufen genauer an: Versifft und verkratzt.

Das sie nun extra eine Putzhilfe alle zwei Tage brauchen, hätte ihnen aber auch der Architekt sagen können.

Etwa eine Woche später dringen Polizisten in ihr Glasloft ein und unter dem Verdacht der Pädophilie und des Nudismus in Haft genommen.

Was war passiert? Na ganz einfach, da sie am Morgen um 7.45h von ihrem Wecker dazu genötigt werden aufzustehen, sind andere, nämlich Schulkinder, schon unterwegs.

Die dreifach verglaste Nordloggia lässt nämlich nicht nur die Wärme drinnen, sondern auch die Blicke hinein. Die Eltern und Kinder waren eben nicht davon zu überzeugen, dass es sich um ganz geniales Design handelt, als sie Sie aussen im ersten Stock unbekleidet sahen.

Haben sie ein bauliches Problem, oder wollen einfach einen neuen Look?
Dann vermeiden sie teure Architekten, denn hier gibt’s alles kalkulierbar aus einer Hand.

25 Jahre ST37 Sebastian Kruse

Künstlerischer Werdegang:

1991-1993:
Schaffensphase in einer aufgegebenen Fischzucht. Zerlegung der industriellen Anlage und Bloßstellung, Archivierung der entstandenen Strukturen. 3 wöchige öffentliche Besichtigung vorort und anschließende Ausstellung in der Galerie 23 in Dachau. Bewerbung in der Kunstakademie.
1994-1996:
Erarbeitung diverser Eisenskulpturen im Rahmen von Atelierverkaufsausstellungen und Ausstellung in Zürich (Zwingligallerie)
1997-1999:
Bildhauerstudium an der Akademie der bildenden Künste München (Abbruch)
1999 -1998:
In Zusammenarbeit mit Ugo Dossi, Entwurf und Bau einer 26m hohen Eisenspirale im Rahmen von Ausschreibung (Kunst am Bau) für den LWG – Neubau Dortmund.
1999: Installation eines Skulpturenbrunnens in Zusammenarbeit mit Ugo Dossi für LBS – Neubau in München.
1999-2000: Mitwirkung bei Ugo Dossi, Planinstallation und Konzeption München
im Kunstlicht, Projektleitung, Planung und Installation.
2000: Kunst am Bau in Regensburg, Erarbeitung einer Helix aus Stahl und Kunststoff im Lichthof. Auftraggeber LZB.
1999-2000: Installations- und Performance Projekt im Kunstpark Ost zur Sonnenwende und Millennium auf dem Dach von Werk III. 12 drehende und reflektierende Sonnenscheiben. Idee und Produktion der Performance.
1999: Ausstellungskonzept in der Hypokunsthalle. Projektionen und Holz- Stahlskulpturen.
2000: Klanginstallation im öffentlichen Raum: Isarrauschen I, Blechsingen (Transformation von Isartönen) auf die Klangskulpturen. Ort Friedensengelfußgängerunterführung.
2000: In Zusammenarbeit mit Berkan Karpat, Isometrische Kuchenparty. Klangskulpturen und Blechsingen im Rahmen von „Lange Nacht der Münchner Museen“.
1999: Metallbildhauerische Mitarbeit bei Sprechturm am Odeonsplatz. Klangskulptur im Rahmen von „Tanzende der Elektrik I“. (Berkan Karpat und andere)
2000: Klanginstallation in der Sommerstaße im Rahmen von Tanzende d. Elektrik II. Diverse Ausstellung von Klanghalb- und Vollhelminstallationsfiguren sowie künstlerische Mitarbeit im Performancerahmen...
2001: künstlerische Anerkennung der Landeshauptstadt München. Monatliche
Förderung
2001: Klangvorschau und Ausstellung diverser Bilder/ Systempolstermöbel am 18.11 im Rahmen der Hausausstellung.
2002: Ausstellung Isarrauschen II, in der Galerie Kunstnetzwerk vom 25.01 – 14.02.02 (aktuelle Polstermöbelkollektion und Grafiken)
2002: Klanginstallation als Rahmenprogramm zum Designparcours vom 09 – 16 Juni.
2002: ausgewählte Teilnahme bei „KUNST IN BEWEGUNG“. Aufnahme in den Katalog (siehe Pressetext)
2003: Ausstellung der zu den Klangprojekten erstellten Systempolstermöbel in der Blumenstraße 19 vom 1.02 – 18.04.2003.
2003: Gestalltung der internationalen Gartenausstellung auf Schloss Ippenburg. Röhreninstallation zu Platons Atlantis.
2003: schwere Eisenskulpturen - Installation im Rahmen der Nekropole im Habichtswald bei Kassel, in Zusammenarbeit mit Ugo Dossi
2003: zwei Brunnenskulpturen im Herzen von Mittenwald, in Zusammenarbeit mit Ugo Dossi

Arbeit für eine geplante umfassende Klanginstallation im Rahmen von Isarrauschen II, bzw. urbane Homophonie.